Universität Bielefeld: Ist das wirklich sinnvolles Marketing?
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Ich war schon lange nicht mehr so über unsere Universität verärgert wie heute Nachmittag. Dabei fing alles so nett an:
Wir Studenten erarbeiten gerade in einem Seminar Podcasts zum Thema Informationen für Erstsemester bzw. diejenigen, die es noch werden möchten. Es sind nicht direkt Werbefilme, jedoch werden diese Filme auch im Rahmen des Marketing der Universität verwendet. Unsere Rolle ist die einer Werbeagentur. Die Universität, vertretend durch den Leiter des Referat für Kommunikation, ist gewissermaßen unser Kunde.
Wir produzieren nun Videos zu Themen wie “Die HRZ Beratungs- und Betreuungsangebote”, “Das HRZ - Hinter den Kulissen”, “Die Amnesty International Hochschulgruppe”, “Das International Office - Studieren im Ausland”, “Studentenjobberatung - Das Arbeitsamt in der Uni” und “Hochschulsport: Das neue Uni-Fit”.
Diese Ideen sind nun mehr oder weniger voll ausgereift und ein Film befindet sich schon in der Postproduktion.
Heute war nun der Leiter des Referat für Kommunikation, Herr Lohuis, bei uns im Plenum und hat sich alle Ideen noch einmal vorstellen lassen. Nach der Projektvorstellungen haben wir uns schon das sich in der Postproduktion befindliche Video angesehen.
Im Anschluss hat uns Herr Lohuis nach Ideen zu Werbefilmen für die Universität Bielefeld gefragt. Er könne uns nichts bezahlen, jedoch können wohl verschiedene Merchandising-Artikel als Preis ausgelobt werden.
Es ist wohl so, dass die Universität eine Werbeagentur mit einem Komplettpaket beauftragt hat. Die Erstellung des Portals “Raum zum Querdenken” (http://www.uni-bielefeld.de/querdenken/) und das Marketing für die Universität sind wohl ein Teil dieses Komplettpaketes. Leider kann sich die Universität nicht sicher sein, dass von der Agentur gute Ideen zum Thema Marketing bzw. virales Marketing kommen. So hat Herr Lohuis sich an uns gewendet.
Diese Anfrage hat in der Gruppe eine rege Diskussion ausgelöst. Wir Studenten haben zum ersten die Sorge, dass unsere Produktionen nicht entsprechend gewertet werden. Sollten die produzierten Videos in das Portal integriert werden, so kann unter Umständen nicht mehr von den Leistungen der bezahlten Agentur und der studentischen Eigenleistung unterschieden werden. Wobei es uns Studenten ausdrücklich nicht um die persönliche Bereicherung geht! Uns geht es prinzipiell um etwas anderes.
Als Beispiel möchte ich ein anderes Seminar anführen. In diesem Seminar produzieren wir eine eigene Hörbuch-CD. Das Themenvorgabe sind “Rot” und “Universität” gegeben. Die Gestaltung des Covers, des Booklets und das schreiben der Geschichten übernehmen die Kursteilnehmer. Nur die Herstellung des Endproduktes können wir selbst nicht realisieren. Die Universität hat dazu eine Kooperation mit einer Firma am laufen, die uns jedes mal ein richtig gutes Angebot macht.
Leider wurden uns nun von der Universität die beantragen Mittel (rund 1000,- Euro) nicht bewilligt. Das bedeutet für den Dozenten bzw. auch für uns, dass wir uns selbst Sponsoren suchen müssen.
Jetzt komme ich zu dem Problem im Zusammenhang mit der von der Universität beauftragten Agentur. Wieso wirbt die Universität Bielefeld nicht mit den Produkten die von den Studenten hergestellt wurden? Wieso müssen Unsummen für fremde Firmen ausgegeben werden obwohl wir bestimmt das gleiche Leisten könnten. Dann sollte die Universität lieber 1000 Euro in Projekte wie das Hörbuch-Seminar investieren und mit dem entstandenen, sehr hochwertigen Produkt werben. Aber nein, wir beauftragen eine Agentur die wahrscheinlich keine guten Ergebnisse liefert. Ganz toll. Bei so etwas könnte mir echt der Kragen platzen. Wir können uns ja alle vorstellen wie viel die Agentur wohl für das Komplettpakte bekommt und wie das Geld sinnvoller angelegt werden könnte und dabei haben wir jetzt noch nicht einmal das Thema Studiengebühren bedacht.
Ein Kommilitone hat an der Sache noch einen anderen Aspekt entdeckt. Da die Ideenfindung nicht in dem Rahmen des aktuellen Semesters stattfinden kann, so wäre durch solche “Aufträge” ja wenigstens das fortbestehen des Kurses in den kommenden Semestern gesichert. Auf eine solche Diskussion sollten wir uns aber auf keinen Fall einlassen. Ich unterstelle der Universität diese Absicht auch nicht, jedoch wäre es ein Fehler nur noch die “rentablen” und werbeträchtigen Kurse (finanziell) zu unterstützen. Auch Kurse, welche zum Beispiel in der Literaturwissenschaft stattfinden, haben eine unbedingte Daseinsberechtigung, auch wenn diese keine Produkte erzeugen die unmittelbar als Werbemittel fungieren können.
Das positive an solchen Anfragen - wie sie von Herrn Lohuis gemacht werden - ist, dass dadurch Studieninhalte entstehen können. Wir Studenten profitieren in diesem Fall von interessanten Seminaren. Dann aber bitte unter anderen Umständen. Unter immer gleich bleibenden Bedingungen. Es sollte nicht jedes Semester um die Finanzierung gezittert werden müssen. Dies ist aber wohl ein generelles Problem und hat nicht nur was mit unserem Seminar zu tun.
In diesem Zusammenhang lässt sich auch die Studiengebühren wieder anführen. Ich bin nicht gegen solche Gebühren an sich, jedoch sollten diese sinnvoll eingesetzt werden und nicht in sinnlose Werbeprojekte, teure Agenturen oder Bäume für die zentrale Halle der Universität gesteckt werden.













30. Dezember 2009 um 16:42 Uhr.
Ich ging zu einer der modernsten UNIs in Medienwesen in Europa und kann trotzdem sagen dass sich diese Denkart noch in vielen Professorenköpfen rumtreibt. Da muss man die Zeit einfach ihr DIng machen lassen.