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Wie wird man eigentlich Teamleiter für Community Technik und kommerzielle Entwicklung, Herr Birkenhake?
Zu finden in Wie wird man eigentlich ... ?
Von Christian Kler
Benjamin Birkenhake, 33, ist einer meiner ehemaligen Dozenten im Studiengang Texttechnologie. Jetzt arbeitet er bei Zeit Online, der Tochter des Zeit-Verlags. 2002 erwarb er seinen Magister Artium an der Universität Bielefeld im Hauptfach Literaturwissenschaft und in den Nebenfächern Texttechnologie und Philosophie.
Meine ersten Webseiten habe ich ‘99/2000 gebaut. Mit dem Bloggen habe ich 2001 angefangen. Mein Blog hat sich prächtig entwickelt. Fast 7000 Beiträge und ca. 5000 Stichworte. Damit bin ich ganz gut zufrieden.
Das erste Mal Geld mit dem Internet habe ich als studentische Hilfskraft verdient. Ich habe Webseiten für die Veranstaltung meines Professors gebaut und später dann in einem DFG-Projekt programmiert.
Freiberuflich im Web habe ich dann erst relativ spät gearbeitet, dass muss so 2003/2004 gewesen sein und davon ist so ziemlich gar nichts mehr online. Das ist schon bemerkenswert in unserer Branche. Unsere
Produkte verschwinden einfach, wenn man sie nicht regelmäßig migriert und pflegt.
Auf das Studium hat mich die Schule exzellent vorbereitet. Ich war auf einem ziemlich bildungsbürgerlichen Gymnasium, dessen Ziel definitiv das Studium war. Mit Deutsch und Physik als Leistungskurse und einer Begeisterung für den Dramakurs in der Oberstufe, war ich für ein Studium einer Geisteswissenschaft gut gerüstet. Weil ich durch Informatik, was ich von der 7. bis zur 12. Klasse hatte, auch schon verstanden hatte was Programmieren ist, fand ich mich auch schnell in der Texttechnologie zurecht.
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.
Aus meiner Schulzeit kann ich heute nicht mehr viel im Job gebrauchen. Das allermeiste diente nur als Grundlage zum Studium und ohne das Studium wäre es nicht viel wert gewesen. Was mir aber immer noch oft
hilft ist der Mythos des Sisyphos von Albert Camus. “Darin besteht die ganze verschwiegene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.”
Aus dem Studium brauche ich im Job vor allem anderen, zwei Dinge: Denken und Programmieren. Gerade der Philosophie verdanke ich wohl die allermeisten meiner Kompetenzen. Strukturiertes, analytische Denken -
das habe ich nirgendwo so sauber gelernt und ich brauche es gerade in der Online-IT jeden Tag, denn der größte Teil der Arbeit die in meiner Position, aber ich glaube auch grundsätzlich als Web-Entwickler, anfällt, besteht nicht aus Programmcode.
Dementsprechend programmiere ich selber fast gar nicht mehr. Es ist aber extrem wichtig, zu wissen und zu verstehen, was Programmierer brauchen um in Ruhe und zur Zufriedenheit der Auftraggeber programmieren zu können. Zum einen ist es meine vorrangigste Aufgabe meine Programmierer zu schützen. Zum anderen kann ein Projekt nur dann gut-gehen, wenn ich selber ziemlich gut Einschätzen kann, welche Folgen einzelne Feature-Wünsche haben. Sowohl vom Aufwand her, als auch von den anderen Konsequenzen, wie z.B. Nachhaltigkeit oder Usability.
Ich berate die Chefredaktion bei der Planung von IT-relevanten Projekten. Ich evaluiere unterschiedliche IT-Lösungen, die für konkrete Projekte oder abstraktere Ziele in Frage kommen. Ich plane einzelne IT-Projekte, was Ressourcen- Budget- und Zeitpläne einschließt. Und ich führe die Projekte natürlich auch.
Ich kommuniziere viel mit unsere externen Dienstleistern, die ich zum Teil auch ausgewählt habe. Außerdem gibt es - wie fast überall - reichlich Tagesgeschäft. Kleinigkeiten. Und ich halte mich auf dem Laufenden darüber wie sich das Netz weiterentwickelt. Als Online-ITler in einer Branche, deren Wurzeln weder in der EDV/IT noch im Netz liegen ist man Early-Adopter und wichtiger Inkubator.
Zum JETZIGEN Job war der Weg der richtige, ja.
Es gibt zwei Dinge, die ich vielleicht schon gerne in der Schule und im Studium gelernt hätte, die ich aber leider - wie viele andere aus meinem Umfeld auch - mit dem Berufseinstieg auf “die harte Tour” lernen musste. Das sind “Durchsetzen” und “Ertragen”. Wie ich schon sagte, “Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.”
Zum JETZIGEN Job war der Weg der richtige, ja. Und ich würde ihn auf der Stelle wieder einschlagen. Gerade die Kombination aus Geisteswissenschaft und Technologie hat sich als unendlich wertvoll erwiesen. Sowohl beruflich als auch persönlich. Ich liebe das Netz.
Eins muss ich aber zugeben: Ich beneide diejenigen in meiner Branche sehr, die richtige Entwickler sind, die es zur Meisterschaft ihres Handwerks gebracht haben. Jungs wie Frank Westphal von Rivva.de, Martin Borho von Drigger.com oder Sven Heising von Endeneu.de. Ich weiß nicht, ob ich glücklicher wäre, oder besser zurecht käme, wenn ich ein so guter Entwickler wär, wie sie. Aber die Meisterschaft verleiht ihnen etwas.













